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Frage 258:

Meine Frage betrifft die Polygamie im Christentum. Wie können Christen die Lehre des Islam über Polygamie angreifen, wenn die Bibel selbst erwähnt, dass frühere Propheten, einschließlich Abraham und David, von dem Jesus abstammte, sie praktiziert haben? Warum akzeptieren Christen nicht Polygamie als dem Willen Gottes entsprechend, obwohl sie im Alten Testament, das ja das Sprungbrett für das Christentum darstellt, erlaubt ist?

 

Antwort:

Der oder die Fragende lese zunächst auf dieser Webseite sorgfältig im einleitenden Text zum Thema 14: Ethik und Soziallehre die Ausführungen, die sich auf die christlichen und die muslimische Sicht der Ehe beziehen.

Der Befund im Alten Testament ist, kurz zusammengefasst, folgender: „Die Ehe ist polygam (Genesis 4,19-25 u. ö.). Deuteronomium 21,15 setzt beim Mann den Besitz von zwei Frauen als normal voraus (Nebenfrau, Sklavin). Die Anzahl ist allein durch die wirtschaftlichen Verhältnisse bedingt; reiche Leute, wie Könige, besitzen zahlreiche Frauen (2Samuel 5,13, 1Könige 11,1-8; vgl. aber Deuteronomium 17,17). Doch fehlte es in späterer Zeit nicht an Andeutungen, aus denen hervorgeht, dass die Einehe als vollkommener betrachtet wird. So erklärt das AT selbst Genesis 2,14 im Sinne eine Empfehlung der Einehe (Tobias 8,6ff. 7,12). Die prophetische Darstellung des Verhältnisses zwischen Jahwe und Israel unter dem Bild einer Ehe setzt die Einehe voraus (Hosea 2,18-23; Jeremias 2,2; 3,7; Ex 16,8; Isaiah 50,1; 54,5; 62,5). Der Hohepriester darf nur eine Frau haben. Psalm 127,3ff: Sprüche 5,15ff; 12,4; 18,22; 19,14; 31,19ff) verraten eine praktisch monogame Umgebung. Im Zeitalter Jesu ist die Vielehe fast ganz zurückgedrängt.“ (Herbert Haag, Bibel –Lexikon. Einsiedeln/Zürich/Köln: 1956. Art. „Ehe. (I) im AT”, Spalte 357). (Vgl auch Irmtraud Fischer, art. Polygamie, III. Biblischer Befund in Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl. Bd. 8, Sp. 400f.)

Der Katholische Erwachsenen-Katechismus schreibt dazu: „ Jesus verkündet und fordert eine Liebe, die den ganzen Menschen umfasst und an der Liebe Gottes Maß nimmt. Die zentrale Liebesforderung Jesu umschließt auch die geschlechtliche Liebe. Obwohl sie in Jesu Worten nie ausdrücklich vorkommt, ist sie doch in seiner Hochschätzung der Ehe vorausgesetzt. Jesus führt sie auf das schöpferische Handeln des Vaters zurück. Die so ermöglichte Liebe zwischen Mann und Frau schließt Polygamie und Ehescheidung aus. Von der ursprünglichen Absicht des Schöpfers her soll die von Gott gestiftete Ehe von Mann und Frau in Liebe und Treue bis ans Lebensende dauern. — An Jesu Verbot, die Ehe zu scheiden, ist nach der doppelten Überlieferung in einem Wort bei Matthäus 5,32/Lukas 16,18 und in einem Schul- oder Streitgespräch bei Markus 10,2-12/Matthäus 19,3-9 nicht zu zweifeln. Die bei den Juden geltende Scheidungsregelung (vgl. Deuteronomium 24,1) erkennt Jesus nicht als ursprünglichen Willen Gottes an. Die mit ihm hereinbrechende Gottesherrschaft ermutigt und befähigt zur Liebe und Treue. Gott verheißt und schenkt den Ehegatten seine Gnade, damit sie die Schwierigkeiten und Nöte überwinden. […]

Nach katholischen Glauben ist die sakramentale Ehe ein Bund, in dem die Liebe Jesu Christi zu seiner Kirche in einer eigenen Weise dargestellt wird. (Epheser 5,21-33). In Menschwerdung, Tod und Auferstehung hat Christus sich seiner Kirche geschenkt und sich für sie hingegeben. Nur in diesem Geheimnis kann die Ehe als Sakrament verstanden und gelebt werden. Sie ist ein Weise der Christusnachfolge.“ (Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Bd.2 : Leben aus dem Glauben (Freiburg: Herder u.a., 1995), S. 349) (Vgl. auch Katechismus der katholischen Kirche, nn. 2387 und 2388)

Kontakt

J. Prof. Dr. T. Specker,
Prof. Dr. Christian W. Troll,

Kolleg Sankt Georgen
Offenbacher Landstr. 224
D-60599 Frankfurt
Mail: fragen[ät]antwortenanmuslime.com

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