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Frage 38:

“Wer ist der König in der Bibel, der im Traum ein Standbild gesehen hatte: ‘An diesem Standbild war das Haupt aus reinem Gold; Brust und Arme waren aus Silber, der Körper und die Hüften aus Bronze. Die Beine waren aus Eisen, die Füße aber zum Teil aus Eisen, zum Teil aus Ton.’ (Buch Daniel 2,32-33), und was sind die vier Königreiche in den Deutung des Buches Daniel? Wird es geschehen wie im Buch Daniel vorhergesagt.”

 

Antwort:

Das Buch Daniel des Alten Testaments besteht aus zwei Hauptteilen.

 

(I.)Der erzählerische Teil, der die Erfahrungen des Daniel und seiner Gefährten unter den Königen Babylons, Nebuchadnezzar (1-4) und Belschazzar (5) beschreibt sowie die unter dem König der Meder, Darius (6). Diese beinhalten ihre Weigerung, unreines Fleisch zu verzehren (1), Daniels erfolgreiche Interpretation des Traumes des Nebuchadnezzar (2), die wunderbare Befreiung der drei Gefährten aus den Feuerofen (3), Nebuchadnezzars geistige Verwirrung (4), die übernatürliche Schrift auf der Wand (‚Mene, mene tekel u-parsin’) beim Festmahl des Belschazzar (5) und Daniels Überleben in der Höhle des Löwen (6).

 

(II)Eine Serie von Visionen, die dem Daniel während der Regierungszeit des Belschazzar gewährt wurden (7,8), Darius der Mederkönig (9), und Cyrus (10-12), Visionen die das künftige Schicksal des jüdischen Volkes offenbaren. Verschiedene Teile dieser späteren Kapitel tragen alle die Charakteristika der apokalyptischen Literaturgattung.

 

Die traditionelle Meinung, das Buch Daniel sei im sechsten Jahrhundert vor Christus von Daniel, einem der jüdischen Exilanten in Babylon verfasst worden, wird heute fast allerseits als unhaltbar zurückgewiesen. Eine Anzahl von historischen Fehlern im Text macht es unmöglich zu glauben, dass das Buch aus der Periode des Exils stammt. Eine weitaus späteres Entstehungsjahr legt auch der doktrinale Standpunkt des Textes nahe, seine Sprache (sogar Worte in Griechisch kommen vor) und ferner seine Stellung im Gesamtkanon der Schriften des Alten Testaments. Es ist übereinstimmende Meinung der modernen, kritischen Exegese, dass das Buch zwischen 168 und 165 vor Christus verfasst worden ist. Folgt man dieser Hypothese, dann war des die Aufgabe des Werkes, den Leser während der Verfolgungen der Juden seitens des Antiochus Epiphanes (König von Syrien, 175-163 v. Chr.) zu ermutigen und stärken. Die Verse 4-7 und 28 des Kapitels 2 sind in Aramäisch geschrieben und nicht in Hebräisch.

 

Es gibt nur einen Text, in dem Daniel im Neuen Testament direkt zitiert wird, nämlich, der Hinweis auf „den unheilvollen Greuel“ (Dan 9,27) in Mk 13,14 par. Aber an vielen anderen Stellen des NT ist sind Lehren des Buches Daniel aufgenommen und entwickelt worden, z. B. der wiederholte Gebrauch des Ausdrucks „Sohn des Menschen“ (Dan 7,13), die Vorstellung von Engeln die zwischen den Menschen und dem transzendenten Gott vermitteln und vor allem die Lehre von der „Auferstehung der Toten“ (in Dan 12,2).

 

Zum Textabschnitt Dan 2,29-45 lässt sich kurz folgendes sagen: Dieser Abschnitt bringt die erste der Allegorien des Buches Daniel, die geheimnisvoll die Aufeinanderfolge der großen geschichtlichen Reiche (Neubabylonier, Meder und Perser, Griechen als Erben des asiatischen Reiches Alexanders) – hier entsprechend den alten Spekulationen über die Weltalter dargestellt durch Metalle von abnehmendem Wert – und schließlich die Ankunft des messianischen Reiches beschreiben. Alle irdischen Reiche brechen zusammen, um einem neuen Reich Platz zu machen, einem ewigen, weil es auf Gott gegründet ist: das Himmelreich, vgl. Mt 4,17. Jesus, der sich selbst als Menschensohn bezeichnet, vgl. Dan 7,13 und Mt 8,20, wendet auf sich auch das Bild vom zuerst verworfenen Eckstein aus Ps 118,22 an, vgl. Mt 21,42-44; Lk 20,17-18, ferner das Bild vom Grundstein aus Jes 28,16 mit einer deutlichen Anspielung auf den Stein, der sich vom Berg löst und denjenigen zerschmettert, auf den er fällt. Siehe in diesem Kapitel 2 des Buches Daniel die Verse 34.44–45.

Kontakt

J. Prof. Dr. T. Specker,
Prof. Dr. Christian W. Troll,

Kolleg Sankt Georgen
Offenbacher Landstr. 224
D-60599 Frankfurt
Mail: fragen[ät]antwortenanmuslime.com

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